Seidingstadt
Wer denkt wohl am jährlichen
Oktoberfest auf der “Theresienwiese” in München an das kleine Seidingstadt
im Südthüringer Land? Und doch wäre dieses wohl größte deutsche Volksfest
nicht entstanden, hätte es nicht jene Prinzessin Therese, Tochter des
Herzogs Friedrichs und seiner Gemahlin Charlotte von Sachsen-Hildburghausen,
gegeben. Sie wurde am 8. Juli 1792 im Seidingstädter Schloss geboren und
nach ihrer Vermählung mit dem bayerischen Kronprinzen im Jahr 1810 ab 1825
Königin des Bayernlandes.
Das Schloss selbst, das der erste
Hildburghäuser Herzog Ernst (1680 – 1715) erbauen ließ, steht heute nicht
mehr. Die Reste dieses Baues, dessen Besitzer in späterer Zeit wiederholt
wechselten, wurden nach vorausgegangenem Brand bis Ende der siebziger Jahre
des 20. Jahrhunderts leider beseitigt.
Lediglich der “Schlosspark zu
Seidingstadt” erinnert an die einstige Sommerresidenz der Hildburghäuser
Herzöge. Er war ursprünglich nach englischem Vorbild angelegt worden und
dient noch heute zahlreichen kulturellen Veranstaltungen im Lauf des Jahres.
Seidingstadt wurde im Jahre 800 als
“Siduchesstadt” erwähnt, wo Güter von der Äbtissin Emhild (Kloster Milz) an
die Abtei in Fulda abgegeben wurden. In späteren Zeiten wandelte sich der
Ortsname in “Sidungestat”, 1317 in “Sydingistadt” und war schon früher ein
bedeutender Ort. Das steigerte sich noch durch die fürstlichen Aufenthalte –
besonders von 1712 an.
Aus diesem Grunde erhielt der kleine
Ort mitsamt der ihm kirchlich zugehörigen Ortschaft Völkershausen, zwischen
Heldburg und Seidingstadt gelegen, eine eigene Pfarrei, die etwa bis zum
Ende des Herzogtums Sachsen-Hildburghausen (1826) bestand. Heute wird
Seidingstadt mit Völkershausen seelsorgerlich und kirchlich von Streufdorf
aus betreut, wie es 1535 bereits der Fall war.
Die Seidingstädter Ortskirche war
während der Zeit der fürstlichen Aufenthalte, meist im Sommer, gewissermaßen
die zweite Hofkirche (neben der Christuskirche in Hildburghausen) des
Herzogtums. Der Landesfürst, seine Familie und der “Hofstaat” gingen mit zu
den Gottesdiensten im Ort.
Bei der Öffnung des Kirchturmknopfes
anlässlich von Restaurierungsarbeiten im Jahr 1995 fand sich in einer
“Denkschrift” vom 30. August 1814 folgender “Nachtrag”: “Eines von den
seltenen Ereignissen des hiesigen Ortes ist, dass unsere durchlauchtigste
Prinzessin Louise in der Kirche zu Seidingstadt öffentlich confirmiert und
eingesegnet wurde und sodann hier zum ersten mal mit höchstdero
durchlauchtigsten Aeltern und Geschwistern comuniziert (d. h. am Heiligen
Abendmahl teilnahmen)”.
Das jetzige Kirchgebäude wurde im
Anfang des 18. Jahrhunderts errichtet. An einem Sparren des Kirchendaches
fand sich die Jahreszahl 1703. 1836 wurde die Kirche abermals erneuert.
Dabei erhielten das Kirchenschiff eine zweite Empore und der Turm das
oberste Stockwerk.
Von Seidingstadt aus hat man einen
guten Blick auf den Straufhain. Diese 450 Meter emporsteigende Basaltkuppe –
dicht an der Landesgrenze von Thüringen und Bayern – krönt eine seit dem
Bauernkrieg von 1525 in Trümmern liegende Burg. Sie hatte zeitweilig für
unser Gebiet eine große Bedeutung. Diese Burg (1156 “Struphe, Strufe, Struff”
genannt) hatte eine sehr interessante und wechselvolle Geschichte. Sicher
hatte auch diese Bergfestung eine Burgkapelle, die aber heute – auch an den
baulich gesicherten Ruinenresten – nicht mehr nachzuweisen ist. Heute trägt
der kommunale Gemeindeverband, zu dem auch Seidingstadt gehört, den Namen
des Berges “Straufhain”.
Besuchen Sie unsere Kirche und
Gemeinde bei ihren Veranstaltungen.
Sie sind willkommen!
Termine dazu erfahren Sie im Pfarramt.
(siehe oben)