Streufdorf – Kirche “St. Marien”
Die Ortschaft Streufdorf gehört zu den ältesten Ansiedlungen unserer
südthüringisch-fränkischen Gegend. Um 800, als die Äbtissin Emhild von Milz
Güter dem Stift in Fulda schenkte, wurde es als “Strufidorp” erwähnt. 1340
findet man es urkundlich als “Strufedorff”. Es war Stammessitz der Ritter
von Streufdorf, die schon 951 erwähnt wurden und noch 1317 bekannt waren.
Neben und nach ihnen waren hier außer
geistlichen Stiftungen auch etliche weltliche Herren begütert, so, dass im
Laufe der Jahrhunderte sieben Rittergüter entstanden, die aber alle wieder
verschwanden. Der Ort hat seinen Namen vom nahen “Straufhain”, eine der
bedeutendsten Burgen unserer Gegend, heute eine denkmalgeschütze gesicherte
Ruine, zugleich ein Wahrzeichen der Landschaft. Ursprünglich wurde der
Straufhain nur “Struph(e)” genannt, woher Streufdorf den einfachen Bergnamen
entlehnte, also “Dorf am Struph”.
Die wichtige Marktsiedlung Streufdorf
(ab 1707 wurde Marktrecht erteilt), liegt im Kreuzungs-bereich
mittelalterlicher Fernstraßen, also in militärisch und handlespolitisch
wichtiger Lage, wenn man das von vergangenen Jahrhunderten so sagen darf.
Ursprünglich als Runddorf in seiner
Anlage begonnen, wurde der Ort in der weiteren Entwicklung als fränkisches
Reihendorf weitergebaut.
Heute ist Streufdorf die
Zentralgemeinde der Einheitsgemeinde “Straufhain”. Die Evangelische
Ortskirche “St. Marien” liegt am höchsten Punkt des Dorfes. Es ist eine
“Chorturmkirche”, die man architektonisch in eine “alte” und eine “neuere”
Kirche gliedern kann.
Das erste Kirchengebäude des Ortes
wurde im spätromanischen Stil erbaut. Noch heute erinnert ein gut erhaltenes
romanisches Rundbogenfenster an der Südwand des unteren Turmgeschosses an
jenen Bau.
1570 bis 1578 wurde die Kirche im
spätgotischen Stil umgebaut. Dabei wurde sie durch einen gut drei Meter
langen und fast fünf Meter breiten “Choranbau” erweitert.
Es ist praktisch ein Neubau aus den
Jahren 1706 bis 1709, da das alte Kirchenhaus sich vermutlich als zu klein
erwies. Man ging mit viel Zuversicht und wenig Geld ans Werk. Zwei Männer
aus Streufdorf machten sich auf eine “Kollektenreise” für ihre Heimatkirche
nach Norddeutschland (bis hin nach Pommern), von wo sie mit fast 650
gesammelten Gulden nach Hause zurückkehrten. Es ist ein wuchtiger Bau,
dieses im frühen 18. Jahrhundert errichtete neue Kirchenschiff, das fast 18
Meter lang und etwas über zehn Meter breit ist. Man verwendete bei Neubau,
wie damals üblich, Bauelemente, die sich spätgotischen Formen anlehnten.
So ist die Streufdorfer Marienkirche
sowohl in ihrer Außen- als auch in ihrer Innenansicht ein einheitliches,
imposantes Bauwerk, sozusagen wie “aus einem Guss”!
In der Zeit von 1608 bis 1618 wurde um
die Kirche eine Wehranlage gebaut. Einige unterkellerte Gaden sind noch
erhalten. 1578 wurde im Rahmen der gotischen Umbauarbeiten an der Kirche
auch der Turm vollendet.
Die posaunenblasende Engelsfigur auf
der Spitze des 33 Meter hohen Turmes ruft zusammen mit den drei Glocken:
“Land, Land, höre des Herrn Wort!” (Jeremia 22,29)
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